RESIDENT EVIL
Endlich angekommen im Albtraum
Ein Film von Zach Cregger
Mit: Austin Abrams, Paul Walter Hauser, Zach Cherry u.v.a.
Eine Review von Michael Starzer / Terrorvision 84
für das KISS MY MAG Magazin
Warum Zach Cregger mit RESIDENT EVIL dem Franchise endlich das gibt, wonach wir seit Jahrzehnten geschrien haben… zumindest so ähnlich. Erinnern wir uns kurz zurück an die Anfänge, als Capcom im Jahr 1996 das moderne Survival-Horror-Genre mit RESIDENT EVIL revolutionierte: dunkle Herrenhäuser, knarzende Türen, spärliche Munition und das ständige Gefühl, mit dem Rücken zur sprichwörtlichen Wand zu stehen. Man kämpfte ums nackte Überleben. Und was bekamen wir Fans im Gegenzug jahrzehntelang im Kino serviert?

Genau: den filmischen Offenbarungseid. Paul W. S. Andersons Realfilm-Reihe verkommte über die Jahre zu einer überstilisierten CGI-Materialschlacht, in der Milla Jovovich als unbesiegbare Amazone durch die Kulissen hüpfte. Mit RESIDENT EVIL hatte das nichts zu tun. Der spätere, nicht ganz so missglückte Reboot-Versuch WELCOME TO RACCOON CITY (2021) kam beim Publikum auch nur mäßig an, da die beliebten Figuren mit Füßen getreten wurden. Kurzum: Wer als Zocker auf eine anständige Realfilm-Adaption hoffte, brauchte verdammt gute Nerven und eine sehr hohe Frustrationstoleranz.
Doch jetzt hat das Warten ein Ende. Regisseur Zach Cregger (der uns bereits mit BARBARIAN und WEAPONS begeistern konnte) schickt sich an, mit seinem brandneuen RESIDENT-EVIL-Ableger endlich das abzuliefern, worauf wir seit fast 25 Jahren gewartet haben.


Im Mittelpunkt des rasanten Albtraums steht der junge Medizinkurier Bryan, der im Rahmen seiner alltäglichen Schicht eine ganz normale Lieferung zum Raccoon City General Hospital bringen muss. Was als rein routinemäßiger Botendienst beginnt, schlägt schnell in pure Hysterie um, als um ihn herum der verheerende T-Virus-Ausbruch in all seiner unbarmherzigen Härte eskaliert. Völlig überfordert und ohne militärische Vorkenntnisse muss Bryan lernen, sich in diesem Horrorszenario von Minute zu Minute durchzuschlagen. Gejagt von mutierten Monstrositäten kämpft er sich durch eine unbarmherzige Nacht, in der jede falsche Entscheidung den sofortigen Tod bedeutet.
Endlich echter Survival-Horror!
Endlich ist Resident Evil da angekommen, wo es eigentlich seit über einem viertel Jahrhundert hingehört: Wir haben hier echten, greifbaren Survival-Horror! Während die vorhergehenden Filme durch glatte, völlig überstilisierte Action und seelenlose Plastikoptik glänzten, atmet Creggers Film endlich exakt jenen morschen, schmutzigen Geist, den die Spiele in sich tragen.
Der Film ist verdammt spannend, besitzt einen sehr treibenden Rhythmus und kennt praktisch keinen Stillstand. Man wird von Sekunde eins an in den Schwitzkasten genommen. Das Geniale dabei: Statt uns die bekannten Videospiel-Heroen vorzusetzen, die im Alleingang Zombies platt machen, erleben wir das Grauen durch die Augen von Bryan. Bryan wird gespielt von Austin Abrams und erinnert in seiner sympathischen Trotteligkeit nicht selten an einen Bruce Campbell in den EVIL-DEAD-Filmen. Wir steigen mit unserer unvorbereiteten Hauptfigur in den Film ein und erleben das Geschehen mit ihm. Bryan muss erst lernen, Waffen zu handhaben, mit der grausamen Situation umzugehen und sich Dingen zu stellen, die ihn komplett überfordern. Dadurch ist Bryan eine unglaublich nahbare, hochgradig charismatische Figur geworden, mit der man von der ersten Sekunde an sympathisiert. Man wünscht diesem Typen einfach ein Happy End, weil er eben kein steriles, überstyltes Actionkonstrukt ist, sondern ein ganz normaler Mensch im Ausnahmezustand.

Dazu verwebt Cregger das Geschehen auf cleverste Weise: Es gibt keine erzwungene 1:1-Umsetzung der bekannten Spielgeschichten, sondern eine Momentaufnahme während des Ausbruchs in Raccoon City, die sich völlig eigenständig anfühlt. Wenn man unbedingt direkte Vergleiche braucht, kann man den Film am besten mit dem Spin-off der Spiele RESIDENT EVIL: OUTBREAK vergleichen. Auch hier werden unbekannte Figuren in die Geschehnisse um den T-Virus verwickelt, und wir erleben deren Schicksal.
Wer Creggers vorherige Werke kennt, weiß um seinen pechschwarzen Humor, den er auch hier einbringt. Der Film ist überraschend lustig geraten! Mitten im schlimmsten Terror zündet der Streifen Gags, die so absurd und trocken daherkommen, dass sie sich erstaunlicherweise organisch in den Grundton einfügen.
Getragen von einigen herrlich derben Gewaltspitzen und blutigen Schockmomenten zeigt uns dieser Film, wie eine Videospielverfilmung auszusehen hat, wenn jemand am Regiepult sitzt, der das Material tatsächlich liebt. Das filmische RESIDENT-EVIL-Universum lag nach vielen Jahren der Misshandlung ausgeblutet und verwesend am Boden.
Zach Cregger reanimiert diesen toten Körper verdammt stilsicher und macht wieder Lust auf weitere Abenteuer in Raccoon City.

