EVIL DEAD BURN
Die Brücke zwischen französischem
Extremkino und klassischem Franchisespaß
Eine Review von Michael Starzer / Terrorvision 84
für das KISS MY MAG Magazin
Was Regisseur Sam Raimi 1978 mit dem Kurzfilm WITHIN THE WOODS begann, erhob sich 1981 zum Kultfilm THE EVIL DEAD. Fast 50 Jahre später sitzen wir immer noch hier und freuen uns regelmäßig über neues Material aus dem EVIL DEAD-Universum. Mit EVIL DEAD BURN liefert der französische Regisseur Sébastien Vaniček (VERMINES) den mittlerweile sechsten Teil der Reihe ab und schockiert das Kinopublikum bis ins Mark. Der Film sorgte bereits vorab für Diskussionen, als bekannt wurde, dass EVIL DEAD BURN derart brutal sein soll, dass er in Amerika ungeschnitten keine Freigabe bekommen hat. Aber keine Sorge, dass schmälert den Spaß im Kino nicht. Es handelt sich nur um die Kürzung einer Szene im Frame-Bereich. Also cool bleiben!

Der Film atmet den dreckigen Geist der Reihe, geht aber inszenatorisch Wege, die man so im Mainstreamhorror selten sieht. Vaniček importiert eine gehörige Portion der berüchtigten New French Extremity (FRONTIERS, INSIDE) in das Universum des Necronomicons. Das bedeutet in der Umsetzung eine Körperlichkeit und unbarmherzige Rohheit, die dem Publikum phasenweise den Atem rauben wird. Der Terror fühlt sich hier nicht wie eine spaßige Geisterbahnfahrt an, sondern geht an die Substanz.
Die Story verlässt die Großstadt des Vorgängers und wir sind wieder zurück auf dem Land. Im Mittelpunkt steht die frisch verwitwete Alice, die nach dem Verlust ihres Mannes Trost bei ihrer Schwiegerfamilie sucht. Man versammelt sich zu einer Trauerfeier in einem abgelegenen Haus an einem See mitten im Wald. Ehe sich die Trauergemeinde versieht, werden die dämonischen Kräfte freigesetzt und verwandeln die vermeintlich tröstende Familienzusammenkunft in ein sadistisches und blutiges Massaker aus der Hölle, bei dem sich Alice einer nach dem anderen besessenen Verwandten erwehren muss.
Dass EVIL DEAD BURN visuell ein absoluter Leckerbissen geworden ist, liegt vor allem an den handgemachten Effekten. Die praktischen Goreszenen sind allererste Sahne und werden Genrefans im Kinosessel jubeln lassen. Hier wird gesägt, gerissen und geblutet, dass es eine wahre Freude ist. Unterstützt wird das Ganze von einer dichten, düsteren Atmosphäre die durch die trostlose und entsättigte Farbgebung noch intensiver wird. Die Kameraarbeit fängt die Enge und Ausweglosigkeit der Situation hervorragend ein und präsentiert sich verdammt verspielt und einfallsreich.


Außerdem muss man unbedingt den überragenden Soundtrack hervorheben. Die musikalische Untermalung stammt von der Formation Double Danger, die schon bei VERMINES mit Vaniček zusammengearbeitet hat. Was das Duo hier abliefert, geht wirklich durch Mark und Bein. Der Score ist treibend, extrem düster und intensiv. Purer, akustischer Terror. Überraschend ist dabei, wie hervorragend der Spagat zwischen Terror und Humor funktioniert. Trotz all der extremen Härte und des Terroreinschlags besitzt BURN den wohl ausgeprägtesten Slapstickhumor und den schwärzesten Witz der Reihe seit EVIL DEAD 2. Vaniček überzeichnet die komischen Momente zwar nicht ganz so cartoonhaft wie damals Sam Raimi, trifft aber den richtigen Tonfall. Das ist eine verdammt schwierige Balance, die der Film gekonnt hält.
Um die gesamte Tragweite der Story und vor allem die kleinen, feinen Details allumfassend genießen zu können, sollte man allerdings den direkten Vorgänger EVIL DEAD RISE auf jeden Fall gesehen haben. BURN führt die etablierte Mythologie weiter und verknüpft lose Fäden auf eine Weise, die Kennern der Reihe zustimmend nicken lassen werden. Ohne Vorkenntnisse funktioniert das Ganze zwar immer noch als verdammt intensiver Survivaltrip, aber der wahre Spaß erschließt sich erst mit dem nötigen Kontext.
Ein kleiner Wermutstropfen trübt das ansonsten grandiose Gesamtbild dann aber doch. Das Finale verlässt sich im Vergleich zum restlichen Film leider auf ein bisschen zu viel CGI. Wenn der handgemachte, greifbare Horror plötzlich durch digitale Effekte abgelöst wird, geht ein Stück der für EVIL DEAD typischen Magie flöten. Das wirkt in den letzten Minuten etwas deplatziert und bricht mit der ansonsten so konsequent physischen Inszenierung. Das ist Meckern auf hohem Niveau, fällt bei der restlichen Qualität aber eben auf.
Wenn das Licht im Saal wieder angeht, solltest du übrigens auf keinen Fall sofort aufspringen. Man muss hier definitiv den kompletten Abspann über sitzen bleiben, denn es gibt im Verlauf des Abspanns noch zwei zusätzliche Szenen zu sehen, bereits auf den nächsten EVIL DEAD Film anspielen. Unter dem Strich ist EVIL DEAD BURN für mich ein aktuelles Highlight im modernen Horrorkino, das die Brücke zwischen französischem Extremkino und klassischem Franchisespaß schlägt.

